Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Wir waren gestern extra noch in der Touristeninformation in Tromsø, um uns zu erkundigen, wie der Umzug am Nationalfeiertag abläuft, ob wir mit dem Bus hineinfahren oder eher das Auto nehmen sollen und wann die Feierlichkeiten anfangen. Eine Dame, die ursprünglich aus Barcelona stammt, erzählte uns, dass es um 07:00 Uhr in der Früh los geht. Danach gäbe es einen Kinderumzug, irgendwann eine Bootsparade und am Nachmittag schließlich die Erwachsenenparade.
Wir dachten uns, wenn wir gegen 09:30 Uhr in der Stadt sind, werden wir schon festlich gekleidete Menschen sehen und es ist sicher schon etwas los. Also beschlossen wir, mit dem Bus in die Stadt zu fahren, da wir ohnehin noch eine Fahrkarte hatten. Im Bus saßen auch schon einige Leute: Frauen in ihren schönen Kleidern und die Männer fast alle in Anzügen. Die meisten hatten Kuchentabletts oder andere Behältnisse mit Speisen dabei. Wir dachten uns: “Passt, die wollen auch alle in die Stadt, da ist sicher was los.” Aber denkste – es war genau gar nichts los. Tote Hose! Die Fußgängerzone war wie leergefegt.
Das hat uns schon ein bisschen verwirrt. Als wir das Ganze noch einmal gegoogelt haben, fanden wir heraus, dass die Einheimischen um diese Zeit erst einmal mit Freunden und Familie frühstücken. Erst gegen 10:00 Uhr machen sie sich dann langsam auf den Weg in die Stadt. Das war uns allerdings zu spät. Wir beschlossen, ins Hotel zurückzufahren, früher als geplant auszuchecken und uns gleich auf den Weg nach Alta zu machen. Wir hofften, dass es dort vielleicht einen Umzug gibt und wir noch etwas vom Nationalfeiertag mitbekommen.
Gesagt, getan. Wir wussten, dass das eine sehr lange Etappe werden wird. Was ich anscheinend nicht gut genug recherchiert hatte: Ich dachte, man darf auf der Schnellstraße bzw. Autobahn maximal 90 oder 110 km/h fahren. Tatsächlich ist es aber so, dass man streckenweise sehr lange nur 60 km/h fahren darf, und sonst 70, 80 und manchmal – juhu- 90. Die Landschaft ist von Fjorden geprägt und es sind sehr wenige Autos unterwegs. Dafür haben wir schon einige Rentiere getroffen, die auf der Straße herumspaziert sind. Ich weiß allerdings nicht, ob Kamerakind Lexi es geschafft hat, eine der Rentiergruppen tatsächlich zu filmen.
Unterwegs haben wir einen Kaffee- und Kuchenstopp eingelegt und sind dann gegen 16:30 Uhr in Alta angekommen. Von den Feierlichkeiten haben wir leider nicht mehr viel mitbekommen. Es hätte eigentlich eine sogenannte Autoparade stattfinden sollen. Wir waren uns aber nicht ganz sicher, ob die paar LKWs mit norwegischen Fahnen, die hupend durch die Stadt fuhren, schon die ganze Parade oder nur noch die letzten Reste davon waren. Eine kurze Google Recherche hat ergeben, dass das tatsächlich der letzte Rest von der Parade war. Oldtimer, Amcar-Fahrzeuge, Motorräder, Team Underground, Rotes Kreuz, Mopeds/UTVs, Russische Autos und Einsatzfahrzeuge hatten wir verpasst. Es waren zwar noch einige Leute in ihren schönen Gewändern unterwegs, aber die kann man ja nicht einfach so fotografieren. Auf jeden Fall ist die nowegische Bevölkerung sehr patriotisch. Jedes Haus hat so eine Art Fahnenstange, die Autos haben teilweise 6 Fahnen montiert, sogar am Friedhof sind Fahnen und Blumen in den Farben der norwegischen Flagge. Sogar unser Frühstücksjoghurt (weiß) war mit Blaubeeren (blau) und Cranberries (rot) in den Nationalfarben. Total crazy!
Danach haben wir beschlossen, erst einmal etwas essen zu gehen. Christian hatte Muscheln und ich gegrilltes Rentier auf Salat. Es war alles ziemlich gut. Im Anschluss haben wir noch einen ausgiebigen Verdauungsspaziergang gemacht – zuerst zur 2 Minuten entfernten Nordlichtkathedrale und dann hinunter zum Strand. So haben wir es heute trotz 5-stündiger Autofahrt dann doch auf 13.000 Schritte gebracht.
Jetzt entspannen wir noch ein bisschen im Hotel. Es gibt hier keinen einzigen deutschen Fernsehsender und auf Englisch läuft nur Al Jazeera. Deshalb schaut Christian jetzt auf dem Handy fern und ich schreibe den Blog.
Morgen steht eine kürzere Etappe auf unserem Plan. Zuerst werden wir uns die Nordlichtkathedrale hier in Alta von innen anschauen, danach geht es ins Alta-Museum, weil es dort sehr interessante Felszeichnungen gibt. Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Hammerfest. Das sind knapp 200 Kilometer.
Übrigens habe ich das Auto auch schon ausprobiert – es fährt sich sehr gut. Die “Autobahn” ist übrigens teilweise einspurig. Und wenn dann die Spur zweispurig wird, wird die Gegenrichtung einspurig und das geht dann immer so hin und her. Lobend zu erwähnen sind die Raststätten, die sogar Klos haben. Es sind zwar Plumpsklos, aber besser als nix. Allerdings kann man nicht so einfach stehen bleiben wie in Island, deswegen gibt es heute nicht so viele Fotos.
Lexe & Christian

























































