Tja, als wir heute in der Früh die Augen aufschlugen (also so ganz vollständig), begrüßte uns der Himmel im gewohnt deprimierenden Einheitsgrau. Und es schüttete. Hervorragende Voraussetzungen für unsere gebuchte Bootstour in den Trollfjord! Christian war voll-motiviert, ich bewegte mich irgendwo zwischen viertel- und achtelmotiviert. Die wetterfeste Regenmontur hatten wir glücklicherweise dabei – Christian im Rucksack, ich strategisch klüger bereits am Körper.
Pünktlich um 9 Uhr hieß es „Leinen los!“ mit unserer fabelhaften Crew: Odinn (Kapitän), Vlad (Techniker), Wenche (Crew) und Francesca (Tourguide). Um überhaupt zum Trollfjord zu gelangen, muss man zuerst ein Stückchen aufs „offene Meer“, wie ich es mal todesmutig nenne. Der Wellengang war anfangs noch okay, die Sicht hingegen ging gegen Null. Ein paar Seeadler haben sich zwar erbarmt und uns kurz die Ehre erwiesen, aber für brauchbare Fotos reicht mein Teleobjektiv bei der Waschküchen-Atmosphäre leider nicht. Also schipperten wir gemütlich weiter und trösteten uns mit unserem gebuchten Frühstück: Kaffee und Zimtschnecken gehen schließlich immer. Als wir dann in den Trollfjord einfuhren, mussten wir uns die sicher beeindruckenden Berge aufgrund der dichten Wolkenwand einfach malerisch dazu denken. Im Fjord selbst stand eine Unterwasser-Drohnenshow auf dem Programm. Normalerweise sieht man da bei guter Sicht alle möglichen Meeresbewohner. Tja, heute war die Sicht selbst unter Wasser so mies, dass es gerade mal für eine einsame Qualle und ein paar schöne bunte Korallen gereicht hat. Immerhin: Die Qualle war pünktlich.
Die Fahrt zurück durch den Fjord war noch relativ entspannt. Doch als wir wieder aufs offene Meer einbogen, wurde die See etwas rauer. Genau in diesem Moment maximalen Wellengangs rief der Kapitän: „Orcas!“ (angeblich sogar mit Babys). Es folgte die absolute Königsdisziplin des Extremsports: sich gleichzeitig irgendwie auf den Beinen halten, die Wale im grauen Wellental sichten und das Ganze mit einem 300er Teleobjektiv fotografieren. Aber siehe da: Ich habe es tatsächlich geschafft, ein paar halbwegs brauchbare Beweisfotos zu schießen! Als wir endlich wieder im sicheren Hafen einliefen, war ich trotzdem unendlich froh, denn viel mehr hätte mein Magen nicth mehr ausgehalten. Ich fragte Wenche vorsichtig, wie hoch die Wellen hier denn so werden können. Ihre trockene Antwort: „Ach, das gerade waren so zwischen zwei und vier Meter. Ab fünf bis sechs fahren wir nicht mehr.“ Ja, danke, das erklärte dann auch mein flaues Magengefühl.
Da der Himmel immer noch die Schleusen geöffnet hatte, fuhren wir direkt eine halbe Stunde weiter nach Henningsvær. Die Hoffnung auf ein frühes Einchecken starb allerdings schnell: Das Zimmer war erst um 16 Uhr bezugsfertig. Da der Regen netterweise eine Pause machte, nutzten wir die Zeit für einen Spaziergang zum weltberühmten Fußballfeld. Spoiler: Es war der absolute Endgegner in der Kategorie Instagram vs. Reality. Mir war vorher klar, dass dies so ein Moment werden wird, aber die Realität war dann doch ein kleiner Schock. Klar, das Grau-in-Grau hat nicht geholfen, aber ehrlicherweise hätte auch strahlender Sonnenschein dieses Motiv nicht mehr gerettet.
Nach dem erfolgreichen Check-in ging es zum Trost direkt ins Hotel-Restaurant. Christian startete mit einer feinen Fischsuppe, und danach gab es für uns beide den Catch of the day: Heilbutt. Und was soll ich sagen? Der Fisch war absolut fantastisch und hat die Lebensgeister wieder geweckt!
Der Abend verspricht übrigens noch laut zu werden, denn hier findet gerade das Codstock Festival statt. Da werden wir später definitiv noch vorbeischauen und die norwegische Festivalkultur testen. Morgen wird natürlich darüber berichtet. Und wer weiß, vielleicht lässt sich ja morgen sogar die Sonne mal wieder blicken – das wäre nach dem heutigen Tag echt mal eine nette Abwechslung!
Bis dahin,
Lexe & Christian
Die Fotos sind heute leider bunt (pun intended) durcheinander gewürfelt, weil ich zumindest die Kamerafotos ein bisschen bearbeitet habe.

















































































