Verflixt. Ich habe es gestern schon wieder gejinxt. Aber wer konnte auch ahnen, dass wir Party-Nachbarn bekommen würden? Zuerst hat der Typ mal unsere Türklinke runter gedrückt, worauf ich fast einen Herzinfarkt hatte. Na gut, kann ja passieren. Erlebe ich ja nicht zum ersten Mal (Irland-Mitreisende wissen wovon ich spreche). Dann sind die Türen geflogen und es sind mehrere Leute in die Nebenwohnung. Weil ich ziemlich kaputt war, bin ich für meine Verhältnisse rasch eingeschlafen, nur um gegen 2 Uhr Früh von lauter Musik geweckt zu werden. Wir haben dann unsere Ohrstöpsel verwendet. Um halb 5 in der Früh war es immer noch laut, da hab ich den Ohrstöpsel kurz mal rausgenommen. Ich habe es mir nicht verkneifen können, dem “netten” Nachbarn auf einer alten Rechnung (hatte sonst keinen Zettel) eine Nachricht zu hinterlassen, die ich mit einem Gitterpflaster (ich hatte kein Tixo) auf seine Türe geklebt habe. Entweder wird es heute ruhiger oder noch lauter. Mal schauen!
Aufgrund dieser nächtlichen Ruhestörung haben wir erst einmal etwas länger geschlafen. Als wir die fünf Minuten zum Nationalmuseum spazierten, war vom angekündigten Schlechtwetter noch nichts zu sehen. Drinnen bewunderten wir die vielfältigen Kunstwerke, während draußen der erste kräftige Regen einsetzte. Absolut überraschend war der geringe Andrang bei Edvard Munchs berühmtester Version von „Der Schrei“ aus dem Jahr 1893 – jene mit der geheimen Bleistift-Inschrift, die 1994 am Tag der Olympia-Eröffnung spektakulär gestohlen worden war. Ich hatte einen Mona-Lisa-Moment erwartet, also einen großen Massenandrang, aber wir teilten uns den Raum nur mit ein paar Leuten. Nach diesem ersten Kultur-Overload tat der anschließende Kaffee sehr gut.
Frisch gestärkt haben wir die alte Festung Akershus besichtigt. Die mittelalterliche Burg wurde bereits um 1300 zum Schutz der Stadt direkt am Ufer des Oslofjords erbaut und im 17. Jahrhundert von König Christian IV. zu einem prachtvollen Renaissanceschloss umgestaltet. Heute dient die historische Anlage, die immer noch militärisch genutzt wird, vor allem für staatliche Repräsentationszwecke, ist aber wegen ihrer weitläufigen Bastionen und dem tollen Blick auf den Hafen auch gut für einen Spaziergang. Nach der Besichtigung beschlossen wir, eine Pause zu machen, und haben uns in der Unterkunft mit Lachs und Kartoffelsalat für die nächste Etappe gestärkt.
Da es draußen wieder trocken schien, ließen wir uns verleiten, in den Ekebergparken zu fahren. Wenn ein Name auf „berg“ endet, sollte man ja eigentlich skeptisch werden. Es galten immerhin 110 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt zu bezwingen. Da der Park mein Vorschlag war, musste ich da durch, obwohl es mittendrin heftig zu regnen begann. Tapfer sind wir im Regengewand durch den Wald gestapft. Der Weg hat sich jedoch gelohnt: Der weitläufige Skulpturenpark bietet neben einer genialen Aussicht auf die Stadt rund 40 hochkarätige, teils wunderbar skurrile Kunstwerke von Weltstars wie Salvador Dalí oder Damien Hirst, die völlig kostenlos mitten in der Natur herumstehen. Wir haben allerdings nicht alle Skulpturen wegen des Regens abgeklappert (aber das hätten wir ohne Regen wahrscheinlich auch nicht gemacht).
Mit der Straßenbahn ging es danach direkt zum Munch Museum im Stadtteil Bjørvika. Der moderne, markant geknickte Museumsturm ragt rund 60 Meter in den Himmel und prägt die Skyline am Fjord. Drinnen angekommen hatten wir sofort ein Deja-vu, da wir „Der Schrei“ ja bereits im Nationalmuseum gesehen hatten. Haben wir eine Fälschung gesehen? Skandal! Nein, natürlich nicht. Munch war einfach sehr produktiv und hat vier echte Versionen seines Meisterwerks angefertigt. Im Munch Museum befinden sich drei Varianten – das 2004 geraubte Gemälde von 1910, eine filigrane Zeichnung und ein Druck. Da die Werke auf Pappe und Papier extrem lichtempfindlich sind, hängen sie geschützt in einer abgedunkelten Rotunde. Es ist immer nur eine einzige Version für das Publikum geöffnet, während die anderen im Dunkeln ruhen, wobei die Schautüren im Turnus wechseln. Da wir nicht warten wollten, bis alle aufgetaucht sind, haben wir nur das Gemälde von 1910 gesehen. Dort gab es dann auch das erwartete Touristengedrängel für das perfekte Foto, wobei sich mir die Faszination hier eher erschließt als bei der Mona Lisa.
Nach dem zweiten Kultur-Overload des Tages sind wir zum benachbarten Opernhaus spaziert. Das markante Gebäude aus weißem Marmor und Granit ist so konzipiert, dass man direkt vom Ufer aus vollkommen legal auf das Dach steigen kann. Der Spaziergang nach oben belohnt mit einem wunderbaren Panoramablick über den Oslofjord. Nach 21.200 Schritten sind wir nun wieder in der Unterkunft angelangt. Morgen stehen noch das Schloss und zwei weitere Museen auf dem Programm, bevor es am Samstag – believe it or not – wieder zurück nach Österreich geht.
Lexe & Christian
Gerade vorhin sind übrigens die Party-People wieder gekommen. 5 junge Burschen und ein Mädel waren es heute. Als sie nach lautem Herumgeschreie (wahrscheinlich mit Absicht) rausgegangen sind, hat einer seinen Tschick unten in den Kanal geworfen. Idioten also! Mit Nachtruhe ist ziemlich wahrscheinlich nicht zu rechnen. Aber man kann in Oslo auch die Polizei rufen, wenn die Nachbarn Krawall machen.





























































































































