Guten Abend aus Oslo!
Der Abschied von Tromsø fiel uns heute Vormittag nicht ganz leicht. Bei strahlendem Sonnenschein haben wir unsere sieben Sachen gepackt. Bevor es zum Flughafen ging, stand noch eine typisch norwegische Tradition auf dem Programm: Das Wegbringen unserer Getränkedosen zum Pfandautomaten. Wer hier sein Pfandgeld an das Rote Kreuz spendet, nimmt automatisch an einer Lotterie teil – die Chance auf den Hauptgewinn von umgerechnet rund 100.000 Euro konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Das Glück war uns dieses Mal zwar nicht hold, aber die Spende war ja ohnehin für den guten Zweck. Das Pfandsystem ist eng mit der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung verbunden, was sich besonders durch das hohe Spendenaufkommen der Pantelotteriet zeigt. Darüber hinaus ist es in Norwegen zur Tradition geworden, leere Flaschen und Dosen an eigens dafür vorgesehenen Halterungen an Mülleimern zu platzieren. Dies ist eine sozial ausgerichtete Geste, die es Bedürftigen und Obdachlosen ermöglicht, Pfand zu sammeln, ohne in Abfällen wühlen zu müssen.
Danach hieß es Abschied nehmen von unserem treuen vierrädrigen Gefährten Trygve, bevor wir den absolut ruhigen und entspannten Flug nach Oslo antraten. Am Flughafen der norwegischen Hauptstadt angekommen, entschieden wir uns spontan für ein Uber statt für den Zug. Preislich gab es fast keinen Unterschied, doch das Auto brachte uns mitsamt unserem Gepäck fast direkt vor die Tür der Unterkunft, während uns mit der Bahn noch ein 900 Meter Fußmarsch samt Gepäck erwartet hätte.
Oslo empfing uns zwar mit einem wolkenverhangenen, grauen Himmel, doch das hielt uns nicht davon ab, unsere neue “Hood” sofort genauer unter die Lupe zu nehmen.
Wir haben unser Quartier im hippen Stadtteil Tjuvholmen bezogen, was sich schnell als absoluter Glücksgriff herausstellte. Oslo selbst ist eine Stadt im extremen Wandel, die sich wie kaum eine andere europäische Metropole zum Wasser hin öffnet und Natur und urbanes Leben perfekt verbindet. Tjuvholmen, die einstige „Diebesinsel“, ist heute das exklusivste Viertel der Stadt und eine spektakuläre Mischung aus moderner Architektur, Kanälen und zeitgenössischer Kunst. Das Viertel liegt direkt an der berühmten Osloer Uferpromenade, die sich stolze neun Kilometer von Frognerkilen im Westen bis nach Sørenga im Osten erstreckt. Entlang dieses Weges stößt man an jeder Ecke auf ziemlich coole Kunstinstallationen und Skulpturen. Aus unserem eigentlich kurzen Erkundungsgang wurde so ganz schnell ein sehr ausgiebiger Spaziergang. Die vollen neun Kilometer haben wir heute zwar nicht geschafft, aber für den Teil in unserer direkten Nachbarschaft reichte es allemal. Am Ende des Tages standen fast 13.000 Schritte auf der Uhr – und die waren nach dem Abendessen im Restaurant “The Salmon” auch bitter nötig. Während Christian sich Austern als Vorspeise und eine “Catch of the day”-Sushiplatte schmecken ließ, gab es für mich einen klassischen Skagen Toast mit reichlich Shrimps und Mayonnaise (oder war es doch Mayonnaise mit Shrimps?).

Nun sind wir gespannt auf die Nacht, denn im Gegensatz zum hohen Norden im Mittsommerlicht soll es in Oslo heute tatsächlich wieder halbwegs dunkel werden. Morgen wollen wir das noch stabile Wetter nutzen und den Tag hoch oben am berühmten Holmenkollen starten, bevor ein Skulpturenpark auf dem Plan steht – alles Weitere entscheiden wir dann ganz spontan nach Wetterlage.
Lexe & Christian



























































































