17.000 Schritte haben wir heute absolviert, und das bei deutlich besserem Wetter als erwartet! Aber der Reihe nach: Oslo meint es gut mit uns, denn obwohl es nachts nie so richtig finster wird, schlafen wir auch ohne Schlafmaske wie die Murmeltiere. Unser Tag startete hochmotiviert an der U-Bahn-Station in Richtung Holmenkollen, wo wir dank der verwirrenden Kombination aus Zügen und U-Bahnen direkt das falsche Gleis 2 ansteuerten. Nach erfolgreicher Kurskorrektur genossen wir eine Panoramafahrt durch Oslos gehobene Wohnviertel, gefolgt von einem sportlichen 700-Meter-Bergaufschnaufen zur legendären Holmenkollen-Skischanze, dem geschichtsträchtigen Herz des norwegischen Skisports. Das Bauwerk ist absolut gigantisch! Nach einem Abstecher durch das integrierte Skimuseum, das die Evolution des Skispringens zeigt, brachte uns der Lift bequem nach oben. Die Aussicht über Oslo und den Fjord ist der Wahnsinn – tiefer Respekt vor allen Sportlern, die sich da freiwillig runterstürzen. Aus dem spektakulären Flug mit der Zipline wurde leider nichts, weil sie gesperrt war, aber unter uns: Mein innerer Angsthase war darüber gar nicht so unglücklich.
Nächster Stopp war der berühmte Vigeland-Skulpturenpark, wo uns die Sonne plötzlich mit ungeahnter Wärme überraschte. Während ich völlig fasziniert versuchte, einen Großteil der 212 nackten, emotionalen Granit- und Bronzefiguren von Gustav Vigeland zu fotografieren, musste der arme Christian viel Geduld beweisen (und ihr müsst/dürft/könnt euch die Fotos anschauen). Zu allem Überfluss hatte er auch noch eine Lexe in akuter “Paris-Panik” an der Backe: Traumatisiert von unserem Versailles-Ausflug, wo exakt um 14 Uhr das Wasser abgedreht wurde, verfiel ich kurz vor zwei in Hektik, dass sie den monumentalen Vigeland-Brunnen ausschalten könnten. Unbegründet – er plätscherte munter weiter! Weniger Glück hatten wir übrigens beim großen Rathausbrunnen, denn der ist aktuell wegen städtischer Sparmaßnahmen tatsächlich komplett außer Betrieb.
Müde und mit knurrenden Mägen flüchteten wir in die hippen Mathallen Oslo, einer alten Fabrikhalle im Stadtteil Vulkan, die heute als kulinarisches Mekka für norwegische Spezialitäten dient. Christian gönnte sich eine frische Lachs-Bowl und ich mir mega-gute, wenn auch unverschämt teure Fischbrötchen. Als Nachspeise gab es noch ein Langos-Trio, weil wir auf unserer Hochzeit diesbezüglich leer ausgegangen waren. Weil das “Herumhatschen” danach seinen Reiz verlor, wollten wir die Stadt gemütlich von einer Linienfähre aus betrachten. Kaum abgelegt, öffnete der Himmel jedoch alle Schleusen und es fing an zu wascheln, was das Zeug hielt. Die Aussicht verwandelte sich in eine graue Wand und wir sind auf dem Boot vor Müdigkeit fast eingepennt, weshalb wir das Sightseeing für heute offiziell für beendet erklärten.
Unterwegs ist uns nebenbei noch ein skurriles Verkehrsrätsel aufgefallen: Warum leuchten uns an norwegischen Fußgängerampeln eigentlich immer zwei rote Männchen an, während für Grün ein einziges reichen muss? Haben die Norweger doppelt so viel Angst vor Falschgängern? Des Rätsels Lösung ist herrlich pragmatisch und stammt aus der Zeit der alten Glühbirnen. Brannte früher die einzige rote Birne durch, war die Ampel schwarz und verleitete zum riskanten Losgehen. Das doppelte Rot war schlichtweg der norwegische Backup-Plan: Fällt eine Birne aus, warnt die zweite immer noch. Weil zwei rote Männchen aber auch psychologisch viel dringlicher wirken und nachweislich Unfälle verhindern, hat man das Design selbst im heutigen LED-Zeitalter einfach beibehalten. Klingt komisch, ist aber so.
Aber mich beschäftigte noch ein anderer waschechter norwegischer Funfact: Warum um alles in der Welt sind hier überall die Türschnallen locker? Nach 19 Tagen im Land habe ich mehr wackelige Klinken erlebt als im ganzen Leben zuvor. Des Rätsels Lösung (laut KI) ist herrlich pragmatisch: In Norwegen wird traditionell extrem viel mit Holz gebaut. Durch die massiven Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen zwischen eiskaltem Winter und warmem Sommer arbeitet das Holz in den Türen ununterbrochen. Die Schrauben in den Drückergarnituren verlieren im weicheren Holz mit der Zeit schlicht den Halt, und da die gelassenen Norweger wegen einer wackeligen Klinke nicht gleich den Akkuschrauber herausholen, schlackert es eben fröhlich vor sich hin.
Morgen soll es den ganzen Tag durchregnen, also werden wir einen gemütlichen Museumstag einlegen.
Lexe & Christian



























































































































































