Der Spion, der das Rentier traf: Unser Weg über das Teufelsgebiss ins Bond-Schurkenversteck

Hallo zusammen! Heute melde ich mich in aller Frische aus Husøy (ich verschone euch also mit Cabin Rezensionen, hihi) – einer winzigen, charmanten Ortschaft auf einer kleinen Insel, die man über eine spektakuläre 30-Sekunden-Autofahrt von der Hauptinsel Senja aus erreicht.

Unser Tag startete im Skigebiet Narvik bei aufklärendem Himmel. Das hat auch sofort unsere Lebensgeister geweckt! Die waren nach den trüben Tagen und der Reizüberflutung der letzten zwei Wochen nämlich ein bisschen ausgeknockt. Da Narvik jetzt ungelogen nicht gerade den Preis für die schönste Stadt Norwegens gewinnen wird, dachten wir uns: Nutzen wir das gute Wetter und starten unsere dreistündige Etappe Richtung Senja lieber früher als später.

Schon auf den ersten Kilometern kamen uns ungewöhnlich viele spezielle Autos entgegen. Eine kurzer Anfrage bei Google über Android Auto verriet uns auch warum: Der US Car Club Narvik veranstaltete an diesem Tag eine große Motormønstring am Clubhaus an der Nedre Øyra 8. Ein cooles Event, aber umgedreht sind wir deswegen dann doch nicht.

Je weiter wir fuhren, desto schöner wurde die Landschaft. Weil das mit der Google-Recherche über Narvik so gut geklappt hatte, haben wir auf dem Weg einfach unsere KI über Android Auto gelöchert, ob es spannende Zwischenstopps auf der Route gibt. Und siehe da: Es kamen ein paar richtig gute Vorschläge! Mittlerweile fragen wir die KI wirklich alles, was uns unterwegs auffällt – so lange, bis die Sprachassistenz irgendwann mal eine Pause braucht. Was uns die KI allerdings nicht vorausgesagt hat, war eine Rentier-Gruppe, die wir aus der Ferne beobachten konnten. Auf den ersten Elch warten wir allerdings immer noch vergeblich…

Dank unserer digitalen Reiseleiterin haben wir trotzdem ein paar echte Perlen am Wegesrand entdeckt. Unser erster Stopp war die Aussichtsplattform Bergsbotn auf Senja. Dabei handelt es sich um eine geschwungene, 44 Meter lange Stahl- und Holzkonstruktion, die direkt über die Felskante ragt. Von dort oben hat man einen spektakulären Panoramablick auf den Bergsfjord und die umliegenden Berggipfel. Der Eintritt ist frei und der Zugang erfolgt barrierefrei direkt vom Parkplatz aus. Absolut empfehlenswert!

Weiter ging es zum nächsten Highlight nach Tungeneset. Dieser spektakuläre Aussichtspunkt liegt an einer markanten Landzunge zwischen dem Steinfjord und dem Ersfjord. Bekannt ist der Ort vor allem für seinen eleganten Holzsteg aus sibirischer Lärche, der über die glatten Klippen bis ans Wasser führt. Von dort aus hatten wir einen atemberaubenden Blick. Im Norden erhoben sich die scharfkantigen, majestätischen Gipfel der berühmten Felsformation Okshornan, die auch als “Zähne des Teufels” oder “Teufelsgebiss” bekannt sind. Richtung Westen erstreckte sich vor uns die endlose, offene Norwegische See. Die Sonne schien, es war relativ warm und der Stopp war einfach Balsam für unsere Seelen.

Direkt an unserem Weg lag auch der Ersfjordstranda, ein wunderschöner, weißer Sandstrand. Aber nicht nur der Strand ist hier eine Attraktion, sondern auch das örtliche WC. Klingt komisch, ist aber so! Direkt am feinkörnigen Sand befindet sich ein dreieckiges, mit goldenen Aluminiumschindeln verkleidetes Toilettengebäude, das liebevoll “Gullsdassen” (das goldene Klo) genannt wird. Neben der ungewöhnlichen Architektur bietet es sogar eine praktische Außendusche. Da wir die ebenfalls sehr stilvolle Toilettenanlage bei Tungeneset schon genutzt hatten, haben wir diese – leider aktuell etwas verschmutzte – Attraktion ausgelassen.

Und was hat das Ganze jetzt eigentlich mit James Bond zu tun? Schuld daran sind die Tunnel hier auf Senja. Die sind teilweise wirklich speziell, ich würde sie fast als “kriminell” bezeichnen: Sehr eng, stockfinster, kurvig und so schmal, dass Gegenverkehr nur mithilfe von Ausweichbuchten funktioniert. Als wir wieder einmal in so ein dunkles Loch hineinfuhren, meinte Christian trocken: “Ich habe oft das Gefühl, James Bond auf dem Weg zu einer Super-Schurkenbasis zu sein, wenn ich in so einen Tunnel fahre.”

In Husøy angekommen, sind wir ins hiesige Restaurant gegangen. Als Vorspeise gab es eine echte nordnorwegische Delikatesse: Kabeljauzungen (torsketunger). Kulinarisch handelt es sich dabei um ein fleischiges Stück aus dem Unterkiefer des Fisches, das für seine zarte, fast gallertartige Konsistenz geschätzt wird. Ungewohnt, aber super lecker! Zum Hauptgang hatte ich den Catch of the Day – frischen Lachs mit direktem Blick auf die Lachsfarm, aus der der Fisch eventuell stammte. Christian hingegen war ganze 1 Stunde und 10 Minuten damit beschäftigt, eine Schneekrabbe feinsäuberlich zu zerlegen. Ich habe ihn heute zum Essen eingeladen, weil der Arme schließlich immer brav meine schweren Koffer schleppt. Es war ein großartiger Tag!

Heute stehen die Chancen übrigens gut für die Mitternachtssonne. Und morgen steht eine Wanderung an. Aber darüber morgen mehr.
Lexe & Christian

Wir haben heute übrigens lustigerweise einen Bruder vom Trygve getroffen. Weißer Toyota RAV4 und die Nummerntafel unterscheidet sich nur durch eine Zahl. Fanden der Fahrer und wir total lustig.

One Comment

  1. FERNWEH!!! 😉

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