Schneeregen, Schotterwege, Schlafmangel: Grüße aus dem WM-Skigebiet 2029!

Hallo zusammen!

Nach dem Frühstück am Nachtkastl sind wir heute direkt von unserer „Sardinendose“ bei Kabelvåg aus wieder in die weite Welt gestartet.

Aber wir müssen noch kurz auf unsere Unterkunft zurückkommen (weil sonst gibt es heute echt nix Spannendes zu berichten). Diese Cabins sind ja ganz nett, aber diejenigen, die sie geplant haben, haben sie definitiv nie selbst getestet. Vielleicht sollte ich professionelle Cabin-Testerin werden! Zu bemängeln gäbe es da nämlich so einiges, angefangen beim extremen Liliput-Format. Wir sind uns nicht ganz sicher, welche Zielgruppe die Designer im Kopf hatten, aber das Klo und das Waschbecken im Bad sind so niedrig, dass es uns fast an Hongkong erinnert hat. Als normal große Person stößt man sich ständig den Kopf an einer seltsamen Regal-Garderoben-Konstruktion direkt über dem schmalen Kaffeemaschinen-Kastl. Der Tisch ist nicht mal groß genug, dass eine Person vernünftig daran essen könnte, und das Gepäck findet sowieso kaum Platz. Auch das Bett ist kleiner als normal, wenn auch immerhin bequem. Die Kochnische ist komplett verplant, und das Geschirrabwaschen wird zur echten Challenge, bei der man sich ständig irgendwo anstößt. Von Privatsphäre im Bad kann zudem keine Rede sein: Wer bitteschön kommt auf die Idee, die Toilette quasi direkt neben der Kochgelegenheit zu platzieren, nur getrennt durch eine schwindlige Glastüre, die gleichzeitig als Duschtüre fungiert? Der Zugang ist ebenfalls nicht ganz durchdacht: Wenn man schon einen Holzsteg baut, könnte man ihn doch direkt bis zum Parkplatz durchziehen – das hätte Christian das Schleppen der Koffer erheblich erleichtert. Auch die Verarbeitung wirkt extrem billig. Der Boden wellt sich, in der Schiebetüren-Schiene sammelt sich bei Regen sofort das Wasser, das Klo wirkt instabil und das Bad steht nach dem Duschen quasi unter Wasser. Wir waren am Ende einfach nur froh, dass es durch das Dachfenster nicht reingeregnet hat. Als es dann in der Nacht stürmte und schüttete, peitschte der Wind das gesammelte Wasser so laut herunter, dass wir um 1:39 Uhr erst einmal senkrecht im Bett standen. Zu allem Überfluss streikte in der Früh die Kaffeemaschine, die Kapseln mussten mühsam von unten in Position gebracht werden, und vier von fünf Kapseln waren auch noch koffeinfrei. Skandal! Einzig cooles Feature: Die Vorhänge öffnen sich auf Knopfdruck.

Das führte dazu, dass wir nach dem Aufbrechen erst einmal einen Abstecher ins naheliegende Kabelvåg gemacht haben. Dort haben wir uns im gemütlichen Hjørnet Kafé einen anständigen Kaffee und eine fantastische Pistazien-Sauerteig-Schnecke schmecken lassen – neben dem Extra-Supermarkt leider das einzige echte Highlight dieses Ortes.

Das Wetter war den ganzen Tag über schlichtweg grauslig: grau, kalt und dauerregnerisch. Was das noch toppen kann? Genau, Schneeregen in Narvik! (Ich erinnere nur an den jungen Mann bei der Autovermietung). Ausgerechnet in dieser geschichtsträchtigen Hafenstadt am Ofotfjord, die für ihren eisfreien Hafen bekannt ist, machen wir jetzt Station. Narvik bereitet sich derzeit auf ein riesiges Sportereignis vor, denn hier wird 2029 die alpine Ski-WM ausgetragen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine alpine Ski-Weltmeisterschaft so weit nördlich des Polarkreises stattfindet, was die steilen Hänge des Hausbergs Narvikfjellet zu einer spektakulären Kulisse für die Weltelite machen wird. Unsere jetzige Container-Hütte liegt quasi mitten in diesem zukünftigen WM-Skigebiet. Von hier aus haben wir eigentlich einen wunderschönen Blick über die Stadt bis hin zur imposanten Hålogalandsbrua. Diese Brücke ist ein echtes architektonisches Meisterwerk: Mit einer Hauptspannweite von 1.145 Metern ist sie die zweitlängste Hängebrücke Norwegens und wird wegen ihres eleganten Designs und der geschwungenen Form oft auch als „Golden Gate Bridge des Nordens“ bezeichnet. Sie überspannt den Rombaksfjord und verkürzt die Fahrt auf der E6 erheblich – ein toller Anblick, selbst im grauen Dunst.

Allerdings motiviert uns das Wetter heute echt zu gar nichts mehr. Wir sind einfach nur müde und werden den Abend zum Ausrasten nutzen. Morgen soll es laut Vorhersage besser werden, wir sind gespannt, denn dann steht die nächste dreistündige Etappe auf die Insel Senja an.

Weil wir mangels besserer Erlebnisse gerade so schön im Thema sind, können wir die aktuelle Container-Unterkunft in Narvik aber auch gleich noch auseinandernehmen. Erreichbar sind die Hütten nur über holprige Schotterwege. Laut Betreiber soll es zwar Trolleys für das Gepäck geben, wir haben aber nur einen einzigen gefunden – und der war kaputt. Also hieß es wieder: Schleppen wie die Packesel. Schneeschaufeln würde es übrigens genügend geben… Die Hütte selbst ist nach allen Seiten mit zimmerhohen Fenstern ausgestattet und bietet sogar ein spezielles Nordlichtfenster im Schlafzimmer. Das Problem: Im Gegensatz zur gestrigen Sardinendose lässt sich dieses Fenster überhaupt nicht verdunkeln. Wohl auch deshalb liegen den Handtüchern bereits vorsorglich Schlafmasken bei. Völlig rätselhaft ist uns jedoch die Dusche. Das Bad befindet sich genau zwischen dem Vorraum und dem Schlafzimmer, und der Duschkopf hängt exakt über dem Durchgang zwischen den beiden Räumen. Man duscht hier also mit direktem Ausblick auf Narvik, flutet danach aber vermutlich den kompletten Durchgangsbereich. Das Schlafzimmer selbst ist quasi exakt so groß wie das Bett – wer an der Fensterscheibe liegt, kann nicht einmal normal aufstehen. Aber Hauptsache, es gibt einen Balkon über die gesamte Länge der Hütte! Auch die Couch ist nicht gerade riesig, aber immerhin wird es kuschelig warm, wenn man die Heizung volle Pulle aufdreht. Um uns den nasskalten, grauen Tag aufzuhübschen, haben wir uns eine fertige Basis für Fischsuppe gekauft und diese mit frischen norwegischen Shrimps aufgepeppt. Danach gab es noch feines Smørrebrød à la Lexe mit dem frischen Sauerteigbrot aus dem Café in Kabelvåg. Und natürlich haben wir auch den traditionellen norwegischen „Tacofredag“ nicht ganz vergessen.

Highlight des Tages war übrigens die erste Lupinen-Sichtung!

In der Hoffnung auf etwas besseres Wetter morgen wünschen wir euch einen schönen Abend.

Eure Lexe & Christian

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