Unterfjordet, tacoisiert und Lachse im Schaufenster: Unser norwegischer Freitag

Ich verliere kein Wort mehr über meinen Schlaf. Punkt. Gestern habe ich das Thema gejinxt und die Quittung prompt erhalten: Eine absolut grauenvolle Nacht. Mein Bett war so schmal, dass ich Angst vor einem Absturz hatte. Um 3 Uhr morgens dachte dann ich rein theoretisch ans Rausgehen, aber die Hotelumgebung bot nur fototechnisches Nichts bei feinster Festbeleuchtung. Es wird hier aktuell ja einfach nicht dunkel. Skurrile Erkenntnis der Nacht: Wenn man die Vorhänge zuzieht und drinnen das Licht anmacht, ist es im Zimmer dunkler, als wenn man das Licht wieder ausschaltet.

Nach einem versöhnlichen Frühstück mit allem Drum und Dran übernahm ich heute die erste Etappe am Steuer. Christian kränkelte ein wenig vor sich hin und brauchte eine Pause. Um die Fahrt aufzupeppen, haben wir Google nach ein paar “spannenden” Wegpunkten befragt. Die KI – ganz der übereifrige Reiseführer – hat uns prompt den Målselvfossen vorgeschlagen. Für alle Wasserfall-Fans unter euch haben wir gerne 10 Kilometer Umweg und einen Fußmarsch investiert.

Laut der digitalen Allwissenheit ist das Ding in der Provinz Troms zwar nur 22 Meter hoch, dafür aber stolze 600 Meter breit. Die harten Fakten:

  • Promi-Status: 2003 von Radiohörern zum schönsten Wasserfall Norwegens gekürt (Quasi der “Brad Pitt” unter den Kaskaden).
  • Fisch-Spionage: Es gibt eine der längsten Lachstreppen Nordeuropas – inklusive Unterwasser-Sichtfenster. Man kann den Lachsen also beim Workout zusehen.
  • Petri Heil: Der Fluss Målselva ist ein Eldorado für Angler (sofern man eine Lizenz im Urlaubsbudget eingeplant hat).

Das Wetter meinte es weiterhin gut mit uns, sodass wir ohne Zeitdruck einen Foto-Stopp nach dem anderen einlegen konnten. Als wir wieder einmal über die endlosen Hochebenen rollten, seufzte Christian: „Ich bin schon ein bisschen unterfjordet.“ Entzugserscheinungen auf Norwegisch!

Um 16 Uhr haben wir dann unsere Ferienwohnung bezogen. Das absolute Highlight? Eine Waschmaschine und ein Trockner! Während unsere Outfits also ein dringend nötiges Wellnessprogramm durchlaufen, haben wir uns um das Abendessen gekümmert.

Heute ist schließlich Freitag – und das bedeutet in Norwegen: Fredagstaco! Da lassen wir uns natürlich nicht zweimal bitten und passen uns an. Wer hätte gedacht, dass die Norweger eine derart strikte Taco-Disziplin an den Tag legen?

Kurzer kulinarischer Bildungsurlaub:

Rund 400.000 Norweger (über 8 % der Bevölkerung) essen jeden einzelnen Freitag Tacos. Eingeschleppt wurde der Tex-Mex-Trend in den 60ern von amerikanischen Ölarbeitern. In den 90ern schaffte es das Supermarkt-Marketing dann, dass Avocados und Hackfleisch freitags quasi im Sekundentakt aus den Läden verschwanden. Heute ist das Ganze fester Bestandteil der skandinavischen Gemütlichkeit („Kos“). Freitags mutieren die Supermärkte hier oben zu reinen Taco-Pilgerstätten.

Morgen wartet eine entspannte, kürzere Etappe auf uns: 170 Kilometer bis nach Svolvær auf den Lofoten. Die Wetter-App droht mit Regen, aber wie sagt man hier so schön? Nutzt ja eh nix. Wir packen die Regenjacken ein und sind bereit fürs nächste Abenteuer!

Funfact des Tages: Es gibt hier quasi keine geöffneten Kaffeehäuser, sobald man ernsthaft Lust auf einen Kaffee hat. Das Timing der skandinavischen Baristas und unsere Koffein-Uhr ticken einfach in völlig verschiedenen Zeitzonen.

Lexe & Christian

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