Guten Abend aus Liliput!
Wir haben unsere Villa in Å gegen ein echtes Liliput-Häuschen in der Nähe von Kabelvåg eingetauscht. Es nennt sich offiziell „Panorama-Cabin“, aber wir fragen uns ehrlich gesagt, ob wir das Panorama haben oder ob wir das Panorama sind. Unter uns gehen ständig Leute spazieren, die unverblümt heraufstarren. Von diesen Panorama-Sardinendosen gibt es hier auf dem riesigen Campingplatz genau zwei. Den Parkplatz hatten wir schnell gefunden, von den Hütten selbst war aber weit und breit nichts zu sehen. Bis es uns dämmerte: Die müssen da oben auf dem Hügel sein! Also durfte Christian unser Gepäck über Stock, Stein und einen hölzernen Steg schleppen. Ich habe natürlich geholfen!
Drinnen ist alles… kuschelig. Während Christian gekocht hat, habe ich versucht, eine Lösung für das akute Platzproblem auf dem Liliput-Tischchen zu finden und mich dabei gefühlt zehnmal überall angehaut. Da neben der Salatschüssel absolut nichts mehr Platz hatte, wurde kurzerhand das Nachtkästchen zum Beistelltisch umfunktioniert. Und voilà: Schon genossen wir unser Dinner im wohl kleinsten Restaurant von Kabelvåg – inklusive Regen-Aussicht auf den Fjord. Wäre es nicht so ungemütlich kalt, könnten wir auf dem winzigen Balkon sitzen. Und gäbe es Nordlichter oder die Mitternachtssonne, könnten wir sie durch das Dachfenster bewundern. Stattdessen liegt auf dem Balkon eine Schneeschaufel. Ich hoffe inständig, dass wir sie nicht brauchen. Aber wer erinnert sich noch an den Optimisten von der Autovermietung? Der, der felsenfest behauptet hat, es schneie sicher nicht mehr? Nun, der Wetterbericht für morgen in Narvik sagt zeitweise Schneeschauer voraus. Haha.

Dabei fing der Tag so gut an! Aufgestanden bei Regen, losgefahren bei strahlendem Sonnenschein. Zuerst haben wir die Aussicht von Å in Richtung der Inseln Mosken und Værøya bewundert. Danach gab es einen Stopp in Sakrisøy: Auf einem kleinen Hügel haben wir die Aussicht auf Reine von oben genossen – „Reinebringen für Arme“, sozusagen, aber wunderschön! Vor dem gefürchteten Unterwassertunnel bei Napp machten wir einen Abstecher zum Vikten Strand. Außer viel Sand, einer Glasbläserei und ein paar Glasfiguren gibt es dort allerdings nicht viel zu sehen. Das „Café“ verdient den Namen kaum und war zu allem Übel von einer Reisegruppe belagert.
Jetzt sind doch im Ernst zwei alte „Wabn“ (für alle Nicht-Dialekt-Sprecher: Frauen) bei unserer Cabin herumgestiegen, während ich hier schreibe! Auf einmal sehe ich ein Gesicht, das neugierig durch die Scheibe gafft. Wie unverschämt kann man bitte sein? Kurz darauf taucht die zweite auf. Christian ist dann demonstrativ auf unseren Mini-Balkon gegangen, was sie wohl endlich vertrieben hat. Also wie es aussieht, sind wirklich wir die Aussicht.
Wo war ich stehen geblieben? (Welch passender Übergang, hihi). Ach ja, vor dem Unterwassertunnel. Da hieß es wieder: Warten in der Schlange. Ich war heilfroh, als wir endlich auf der anderen Seite waren.
Unser nächster Stopp war ein echter Postkarten-Klassiker: der Uttakleiv Strand. Er gilt als einer der meistfotografierten Strände der Lofoten, und das völlig zu Recht. Neben dem dramatischen Kontrast aus grünem Gras, weißem Sand und dunklen Felsen verbirgt sich hier das berühmte „Dragon Eye“ (Drachenauge) – eine perfekt kreisrunde, von Gezeiten und Steinen glattgeschliffene Felsformation, die wie das Auge eines Fabelwesens aus dem Wasser blickt. Außerdem findet man in der Nähe die skurril benannte „Lustgrotte“. KI-Infos: “Die sogenannte “Lustgrotte” (auf Norwegisch: Lystgrotte) hat ihren Namen nicht etwa von einer wilden Geschichte, sondern vom norwegischen Wort lyst, was unter anderem “Licht”, “Freude” oder “Lust/Lustbarkeit” bedeutet. Es handelt sich dabei um eine malerische, vom Meer ausgewaschene Felsenhöhle, die direkt an der alten Küstenstraße zwischen dem Haukland Beach und dem Uttakleiv Beach liegt.” Entweder habe ich irgendwas übersehen, aber malerisch war da nix. Den „Peace-Stein“ haben wir uns auch angeschaut, aber zu dem findet Google nix.
Auf dem Parkplatz gab es übrigens ein kleines Heimatgefühl: Wir haben zwei Villacher getroffen, die mit dem eigenen Auto durch Schweden, Norwegen und Finnland touren. Die Welt ist einfach winzig!
Unser letzter Programmpunkt war das Lofotr Wikingermuseum in Borg, das wir letztens ausgelassen hatten. Das Museum basiert auf einer sensationellen Entdeckung: Archäologen legten hier das größte Langhaus frei, das je aus der Wikingerzeit gefunden wurde (ganze 83 Meter lang!). Der Mitarbeiter an der Kasse riet uns, zuerst den Außenbereich zu machen, da dieser früher schließt. Also sind wir im Stechschritt zum beeindruckenden Nachbau des Langhauses und haben uns dort umgesehen. Danach stand der 1,2 Kilometer lange Weg hinunter zum „Hafen“ an. Ergebnis: Wir kamen patschnass an, weil es mal wieder zu „wascheln“ begann. Der Marsch hatte sich auch nur bedingt gelohnt, da am Steg lediglich drei etwas abgehalfterte Wikingerboote lagen. Auch die Kirche auf dem Rückweg war leider geschlossen. Zurück im Hauptgebäude gab es dann noch einen ziemlich einschläfernden Museumsfilm und eine kleine Ausstellung.
Ja, und jetzt sitzen wir hier in unserer Sardinendose, stoßen uns ständig irgendwo an und werden uns heute definitiv nicht mehr viel bewegen. Morgen geht es weiter nach Narvik. Da die dortige Gondelbahn wegen Umbauarbeiten bis Januar 2027 komplett geschlossen ist, müssen wir improvisieren. Mal schauen, was der Tag bringt. Hoffentlich nicht den Einsatz einer Schneeschaufel!
Bis bald,
Lexe & Christian





















































































schwer beeindruckend 😮
Definitiv! Vielen Dank für Deine Kommentare! 😀 Ich freue mich immer über Feedback! LG, Alex